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11.01.2012

Abschied nach 32 Jahren: Dr. Dagobert Götz, Ärztlicher Direktor an der Geomed-Klinik, geht nach langer Dienstzeit in Ruhestand. Das Bild entstand auf der Intensivstation. Foto: Norbert Finste
Abschied nach 32 Jahren: Dr. Dagobert Götz, Ärztlicher Direktor an der Geomed-Klinik, geht nach langer Dienstzeit in Ruhestand. Das Bild entstand auf der Intensivstation. Foto: Norbert Finste

"Geomed unverzichtbar für die Region"

Ärztlicher Direktor Dr. Dagobert Götz blickt am Ende seiner 32-jährigen Dienstzeit zurück und nach vorne

Als Dr. Dagobert Götz 1972 zum ersten Mal die heutige Geomed-Klinik betrat, hieß sie noch schlicht und einfach Kreiskrankenhaus Gerolzhofen. Chefarzt war damals Dr. Andreas Ernst. Dr. Götz kam als Medizinalassistent frisch von der Uni und blieb ein halbes Jahr. 1980 kehrte er zurück – und zwar gleich als Chef der neu gegründeten Anästhesie-Abteilung. Seit 1993 stand der gebürtige Bad Kissinger dann als Ärztlicher Direktor an der Spitze des Hauses. Nach fast 32 Jahren Dienstzeit trat er zum Jahresende 2011 in den Ruhestand. Grund genug, ein Gespräch mit ihm über die Entwicklung des Gerolzhöfer Krankenhauses und seine Zeit an dieser Klinik zu führen.

Frage: Während Ihrer langen Zeit als Ärztlicher Direktor am Geomed haben viele vergleichbar kleine Krankenhäuser geschlossen. Mussten Sie nicht immer in der Angst leben, die Umwälzungen im Gesundheitswesen könnten auch das Geomed unter sich begraben?

Dr. Dagobert Götz: Ich war mir immer bewusst, dass kleine Krankenhäuser in der Fläche nötig sind und habe deswegen nie Angst ums Geomed gehabt. Es ist unverzichtbar für die Region. Durch die Einführung der Fallpauschalen, also die Vergütung der medizinischen Leistung pro Fall, ist auch an der Geomed-Klinik die Verweildauer der Patienten kürzer geworden. Die Klinik musste jetzt sozusagen durch ihr „Programm“ ihr Geld verdienen. Ein Krankenhaus mit einem Grundversorgungsauftrag wird aber wie ein Theater oder ein Schwimmbad immer ein Zuschussbetrieb bleiben. Trotzdem sehe ich die Zukunft positiv. In der Anästhesie, aus der ich ja komme, wird am Geomed weiter aufgestockt. Und auch unser OP-Spektrum erweitert sich besonders in der Orthopädie und in der Neurochirurgie.

Frage: Was waren die größten Rückschläge beziehungsweise medizinische Niederlagen in Ihrer Karriere am Geomed?

Götz: Einen Rückschlag bedeutete zweifellos der Tod von zwei Oberärzten an der Anästhesie, Dr. Bruno Grigo im Jahr 2000 und Dr. Christl Merz in 2006, die im Abstand von wenigen Jahren mitten aus dem Berufsleben gerissen wurden. Eine echte Niederlage war für mich der Tod eines fünfjährigen Kindes, das beim Spielen unabsichtlich im Nierenbereich angeschossen wurde. Ich sehe noch den verzweifelten Vater, der den Jungen auf Händen getragen zu uns brachte. Das Kind verblutete uns auf dem Operationstisch, wir konnten einfach nichts machen. Das war 1982 und ich erinnere mich immer noch daran.

Frage: Und umgekehrt – Ihr größter medizinischer Erfolg und der medizinische Fortschritt insgesamt?

Götz: Ich werte es als Erfolg, dass es in all der Zeit keinen ernsthaften Zwischenfall in der Anästhesie gegeben hat, der mich an meinem Berufsbild hätte zweifeln lassen. Beim medizinischen Fortschritt spreche ich wieder für meinen Fachbereich. Als ich anfing, kam statistisch auf 1000 Betäubungen ein Todesfall, heute ist es ein Todesfall auf 100 000 Betäubungen. Das kommt daher, dass wir jetzt kontinuierlich den Sauerstoffgehalt des Blutes messen und vor allem haben sich in der Anästhesie die Überwachungstechnik und die Qualität der Ausbildung beim Personal extrem verbessert. Für mich ist es überhaupt faszinierend, dass sich das medizinische Wissen insgesamt alle vier bis sechs Jahre verdoppelt.

Frage: Was veranlasste Sie, die Anästhesie als Ihr Spezialfach zu wählen?

 

Götz: Als ich zu studieren begann, war die Anästhesie ein ganz junges Fach. Der Anästhesist bekam Einblick in alle Sparten der Medizin. Von der Augenklinik bis zur Neurochirurgie – überall wurden Narkosen gebraucht und die rasante Entwicklung der Anästhesie ermöglichte erst die Durchführung bestimmter Operationen, die heute Routine sind.

frage: Warum sind Sie ausgerechnet in die Kleinstadt Gerolzhofen gekommen und warum sind Sie dort so lange geblieben?

 

Götz: In einem Inserat habe ich gesehen, dass Gerolzhofen einen Anästhesisten sucht. Da meine medizinischen Anfänge an dieser Klinik waren und ich unbedingt in der Region bleiben wollte, bin ich nach Gerolzhofen gegangen. Es reizte mich, die Anästhesie dort aufzubauen, auch wenn das für mich anfänglich Dauerbereitschaft bedeutete. Ich bereue es trotzdem nicht. Das Personal war immer stark ans Haus gebunden, deswegen haben wir nicht diese Fluktuation wie an großen Kliniken. Heute fühle ich mich als Gerolzhöfer und werde wohl auch meinen Ruhestand hier verbringen.

Frage: Sie haben Ihre Arbeit immer auch vor dem Hintergrund eines christlichen Weltbildes geleistet.

Götz: Ohne das Phänomen Religion in der Medizin überbewerten zu wollen: Es ist bekannt, dass Religion in den medizinischen Bereich hineinwirkt. Ich glaube, mein Weltbild hat auch mein Verhalten gegenüber Patienten und Mitarbeitern geprägt.

Frage: Es gehört zweifellos zu Ihren großen Verdiensten, vor 30 Jahren das Notarztwesen am Geomed aus der Taufe gehoben und seitdem auch organisiert zu haben.

Dr. Götz: Das Notarztsystem für den Raum Gerolzhofen war mein innerstes Anliegen und Bestreben. In der Tat gibt es seit 30 Jahren notärztliche Verfügbarkeit rund um die Uhr. Anfänglich haben wir das sogar mit niedergelassenen Kollegen gemacht. Ganz wichtig war mir die Fortbildung im Rettungswesen für Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter.

Frage: Auch im außermedizinischen Bereich gab es gravierende Veränderungen am Geomed.

Götz: Stimmt. Die größte war wohl die Entkernung des alten Krankenhauses im Jahr 2000. Das waren immense Bauarbeiten mit viel Lärm und Schmutz und das alles bei laufendem Klinik-Betrieb. Wenn ich heute daran denke, müssen wir allen Patienten danken, dass sie uns die Treue gehalten haben.

Frage: Stichwort Patient. Was hat sich bei ihm geändert?

Dr. Götz: Der Patient ist kritischer geworden. Und er ist im Vergleich zu früher durchs Internet und andere Medien umfassender informiert. Das hat zur Folge, dass der Patient auch anspruchsvoller geworden ist. Das muss man als Mediziner zur Kenntnis nehmen und beachten.

Frage: Was wird der Privatmann Dagobert Götz jetzt mit der neu gewonnenen Freizeit anfangen?

Götz: Zunächst werde ich ein bisschen ausruhen, dann etwas Sport treiben und Klavier spielen. Unter anderem werde ich Hausmann sein, denn meine Frau steht ja als Internistin noch voll im Berufsleben.

 
Das Gespräch führte Norbert Finster
 

Quelle: www.mainpost.de



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